Akte 1994-0371
Ein pensionierter Kinderarzt folgt einer Aktennummer in eine fremde Wohnung. Dort begegnet ihm kein Vorwurf, sondern ein Leben, das seine Gewissheiten leise zerlegt.
Identität erscheint in diesen Kurzhörspielen nicht als feste Antwort, sondern als etwas, das unter Druck gerät. Eine Akte, eine Stimme, ein Regiebuch, ein Algorithmus oder eine Erinnerung reicht aus, damit ein Mensch sich neu fragen muss, wer er war, wer er ist und wer über diese Geschichte bestimmen darf.
Ein pensionierter Kinderarzt folgt einer Aktennummer in eine fremde Wohnung. Dort begegnet ihm kein Vorwurf, sondern ein Leben, das seine Gewissheiten leise zerlegt.
Nach der letzten Medea-Vorstellung teilen zwei Schauspielerinnen eine Garderobe. Ein altes Regiebuch öffnet eine Geschichte, die keine Rolle mehr verdeckt.
Jens Berger wird erzählt, obwohl er nur in Ruhe gelassen werden will. Zwischen trockenem Kommentar und echtem Leben beginnt er, seiner Geschichte zu widersprechen.
Cora archiviert Gerüche, Farben und Berührungen für ein zukünftiges Ich. Aus einem nüchternen Experiment wird ein zärtlicher Versuch, die Welt festzuhalten.
Ein Schriftsteller liest seinen Roman über eine Ehe, bis die Frau aus den Seiten tritt und korrigiert. Auf einer leeren Bühne beginnt die Wahrheit zurückzuschreiben.
Ein Erzähler mit sieben Semestern Germanistik und dem festen Glauben, dass jeder Gang zum Bäcker ein griechisches Epos ist. Eine Frau aus Oldenburg, die dafür ungefähr so viel übrig hat wie für eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung. Und ein Kater namens Dieter, der sich für beides nicht interessiert.
Die Sammlung bündelt Kurzhörspiele, in denen Figuren mit Selbstbild, Erinnerung, Schuld, Wahrnehmung oder fremden Zuschreibungen ringen. Die Auswahl kann sich verändern, wenn neue Produktionen entstehen oder bestehende Stücke neu kuratiert werden.
Beides kann eine Rolle spielen. Manche Hörspiele bleiben nah an inneren Konflikten, an Scham, Erinnerung oder Trauer. Andere zeigen, wie Kontrolle, Rollenbilder, Akten, Technik oder Kunst beeinflussen, was von einem Menschen sichtbar wird.
Viele Stücke sind intim, verletzlich oder melancholisch. Einige entwickeln eine beklemmende oder unheimliche Spannung, besonders wenn das eigene Selbstbild von Stimmen, Systemen oder verdrängten Wahrheiten bedroht wird.